Brackwasser

Betreut wird es von Kristian Kühn
Die Fische in unserem Aquarium sind Brackwasser-Bewohner! Unter Brackwasser versteht man Fluss- oder Meerwasser mit einem Salzgehalt von 0,1 % bis 1 %. Wasser mit geringerem Salzgehalt bezeichnen wir als Süß-, Wasser mit höherem Salzgehalt als Salzwasser. In unserem Aquarium sind 1 % Meersalz
beigemischt (10g Salz auf 1 Liter Wasser).


12-2015 Fotos

Ökologie

Im Bereich von Flussmündungen ins Meer entsteht durch Ebbe und Flut eine Durchmischung des süßen Flusswassers mit dem salzigen Meerwasser, die so genannte Brackwasserzone.
Der Salzgehalt wechselt ständig und stellt somit an die dort lebenden Pflanzen und Tiere stark erhöhte Anforderungen zum Überleben. Hier treffen sich - je nach Salzgehalt an Süßwasser und an Salzwasser gewohnte Arten aus dem Meer und den Flüssen. Einige Tier- und Pflanzenarten haben die Fähigkeit entwickelt, unter den Brackwasserbedingungen zu überleben, wie beispielsweise die heimischen Fische: Flunder, Hecht, Zander, Stint und Krebse: Chinesische Wollhandkrabbe, Schlickkrebs.

Die Brackwasserzonen werden im Allgemeinen von nur wenigen Tierarten bewohnt, dafür aber ist ihre Anzahl sehr hoch. In diesem Ökosystem leben also wenige Tierarten, aber dafür eine große Menge von ihnen.

Silberflossenblatt

Das Silberflossenblatt (Monodactylus argenteus) ist ein Fisch aus der Familie der Flossenblätter. Sie leben gesellig und bilden mit ihren Artgenossen große Schwärme. Sie erreichen eine Körperlänge von 25 Zentimetern. Männchen und Weibchen sind äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden.


Lebensraum:
Sein natürliches Verbreitungsgebiet hat dieser Fisch in den Mangrovengürteln, die sich entlang der infopazifischen Küste entlang ziehen. Er gehört damit zu den Fischen, die normalerweise im Brackwasser leben. Gelegentlich dringen sie jedoch auch in Flussmündungen ein und halten sich für eine kurze Zeit im Süßwasser auf.

Lebensweise:
Sie sind tagaktiv und leben oft in großen Schwärmen, nur selten trifft man sie einzeln. Silberflossenblätter bevorzugen ruhiges Wasser, besonders seichte Buchten. Sie sind sehr temperaturempfindlich und sterben bei Kälteeinbrüchen in Massen.

Nahrung:
Grünfutter, Algen und Fisch.

Fortpflanzung:
Sie laichen im Brackwasser Die Jungfische wandern dann ins Salzwasser zurück.

Silberflossenblätter werden im Zoofachhandel immer wieder als Süßwasserfische angeboten. Eine artgerechte Haltung ist jedoch im Süßwasser auf Dauer nicht möglich. Sie kommen zwar für eine kurze Zeit auch hier zurecht, sind jedoch für ihr Wohlbefinden auf Brackwasser angewiesen. Die Flossenblätter sind gnadenlose Fresser, daraus resultiert aufgrund ihrer Ausscheidungen eine hohe Wasserbelastung. Sie erreichen außerdem eine Körpergröße, die sie für das Heimaquarium gängiger Größenordung ungeeignet macht, zumal sie unbedingt in einem Schwarm von mindestens sechs bis acht Tieren gehalten werden sollten. Wer diese Fische pflegen möchte, sollte über ein Aquarium mit einer Länge von mindestens 250 Zentimeter Länge, in dem sich mindestens 1.400 Liter Wasser befinden, verfügen. Da in einem Brackwasser-Becken praktisch keine Pflanzen gedeihen können, ist außer dem großen Becken auch eine leistungsfähige Filteranlage notwendig.

 

Schützenfisch

Der Schützenfisch oder Spritzfisch (Toxotes jaculatrix) gehört zur Familie der Schützenfische. Der barschartige Fisch wird etwa 20 cm lang und bis zu zwölf Jahre alt. Er fällt durch eine nahezu gerade Stirn-Rücken-Linie und ein oberständiges Maul auf. Sein Name rührt von der eigentümlichen Jagdtechnik, bei der er mit einem Wasserstrahl Insekten von umliegenden Uferpflanzen herunterschießt.

Der Schützenfisch ist in den küstennahen tropischen Brackwassergebieten vom Roten Meer über Indien, China, Thailand, den Philippinen bis in Australien beheimatet. Am häufigsten findet man ihn in Ästuaren und Lagunen von Mangrovenwäldern. Da die Brackwässer dort sehr flach sind, unterliegen sie während der Tiden starken Schwankungen der Temperatur (23 bis 28 °C) und des Salzgehaltes. Dies erfordert eine besondere Resistenz und hat vermutlich dazu geführt, dass sich nur wenige Arten der Schützenfische gebildet haben.
Geschlechtsunterschiede und Unterarten sind bei Schützenfischen nicht bekannt.

 

Vorkommen

Typische Brackwasserzonen findet man in Teilen der Ostsee und besonders in den Mündungsbereichen der Flüsse Elbe, Weser, Ems und Rhein. Hier kann sich die Brackwasserzone über eine Länge von mehr als 50 km erstrecken.
Auch in den Tropen bilden sich häufig Brackwasserzonen, oft mit ausgedehnten Mangrovensümpfen.

Sozialverhalten

Der Artenarmut entspricht eine relativ hohe Anzahl von Individuen. Dies erklärt das aus auffällig konfliktbereite Verhalten gegenüber seinen Artgenossen. Die Konkurrenz wird zu dem durch das knappe Nahrungsangebot in den flachen Gewässern geschürt. Artfremden Fischen gegenüber ist er aber friedlich. Der Schützenfisch hält sich zeit seines Lebens in Brackwasser auf.


Wie viele Fische, die dicht an der Oberfläche leben, ernährt sich auch der Schützenfisch vornehmlich von noch lebenden Insekten, die ins Wasser gefallen sind. Um das Angebot an Fliegen, Heuschrecken, Ameisen etc. zu vergrößern, hat er eindrucksvolle und effektive Jagdtechnik entwickelt. Dabei schießt er seine Beute mit einem scharfen, gezielten Wasserstrahl von den Blättern oder Halmen der umliegenden Uferpflanzen herunter. Dazu stellt er sich mit den ganzen Körper steif auf, bildet durch Herandrücken der Zunge an die obere Gaumenrinne eine Abschussrampe und presst das Wasser durch Zusammendrücken der Kiemendeckel aus dem leicht geöffneten Maul, dass sich direkt an der Oberfläche befindet.

Aquarienhaltung

Schützenfische kann man in sehr kleinen Gruppen (Konkurrenz!) sowohl in Süßwasser, Brackwasser oder Seewasser halten. Ein Brackwasseraquarium erfüllt allerdings die Vorraussetzungen am besten.

Das Wasser sollte eine Temperatur zwischen 25 und 30° C haben. Das Aquarium sollte etwa 2 Meter lang sein und darf nur bis zu einem drittel gefüllt werden, um den natürlichen Lebensraum gut imitieren zu können. Am oberen Aquarienrand kann man dann Insekten fliegen lassen und den Beutefang beobachten. Gelingt die Imitation der natürlichen Verhältnisse nicht, verlieren die Fische schnell das Interesse an ihrer spektakulären Jagdtechnik.